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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

Tägliche Übersicht aus YouTube und Smalltalk-Forum.

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Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Samstag, den 27. Juni. Die große Forumswoche fährt sichtbar herunter — die meisten Stränge laufen aus, aber im Gegenmacht-Thread öffnet Flo mit einem ganz konkreten Beispiel überraschend noch einmal eine neue Tür.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube liegt heute genau eine Stimme vor, und es ist eine alte — Björn-v4d unter der Social-Media-Verbot-Folge, der zum wiederholten Mal mit der Verdrängungsgesellschaft abrechnet, "kindermord, völkermord ist alltag geworden", die "empörung ist ja gespielt immer groß, doch wirklich was dagegen tun, will diese gesellschaft ja schon nicht mehr". Kein neuer Impuls, derselbe Ton wie die ganze Woche. Im Forum ist das eigentliche Ereignis ein Themenwechsel: Flo verschiebt den Gegenmacht-Faden weg von der Theorie hin zum New Yorker Wahlkampf und schaut nach, "wie Mamdani das konkret gemacht hat" — über 30.000 Freiwillige, ein niedrigschwelliges Andocken ohne Mitgliedschaft, und der Befund, dass an den Türen "endlich jemand wie wir" zähle, "Hoffnung, nicht Argument". Das ist nach Tagen abstrakter Machtdebatte der frischeste inhaltliche Impuls.

Zu den Kontroversen: Die großen Streitlinien sind heute weitgehend befriedet. Der Macht-versus-Machtmissbrauch-Streit zwischen Flo und Ernst kommt regelrecht zum Frieden — Flo bindet ab mit "Ich schließe daraus, wir (alle) arbeiten gut zusammen", nachdem Ernst zuvor offen eingeräumt hatte, er habe interpretiert, "stimmt". Die eigentlich neue Spannung ist jetzt eine sachliche: Flo stellt mit dem Mamdani-Beispiel Ernsts wochenlange "Gesetzgebungswerkstatt"-Logik direkt infrage — "Hier hat fünfmal mehr Geld gegen Organisation und Erzählung verloren. Nicht knapp — deutlich", und schlägt vor, "nicht das Spielfeld verbilligen, sondern auf einem anderen Spielfeld spielen". Damit wird der Konflikt, der tagelang ins Persönliche zu kippen drohte, wieder auf die Sache gedreht. dasKAPIT4Ls Kritik von gestern, hier liefen "persönliche gegenseitige Psychoanalysen", hallt noch nach, bleibt heute aber unbeantwortet.

Zu den positiven Highlights: Schön ist heute vor allem, wie konkret und materialreich Flo arbeitet — er trägt nicht Haltung, sondern Zahlen zusammen, Darializa Avila Chevalier, "32, Community-Organizerin", die "einen fünfmaligen Amtsinhaber besiegt" hat, und die 9,6 Millionen Super-PAC-Dollar, die "größtenteils nicht gewirkt" haben. Das ist die Art geerdeter Beitrag, die der Debatte nach viel Meta-Ebene guttut. Im Reemtsma-Faden setzt JakobB noch einen feinen selbstironischen Schlusspunkt: Auf Falkys Mattei-Empfehlung blickt er ins eigene Regal und muss lachen, weil er das Buch auf Empfehlung der Hosts längst gekauft hatte — "bis ich beim Blick ins Regal lachen musste". Und im Machtfrage-Thread bringt Kokosmilch eine ruhige, kluge Zwischenstimme, dass Macht neben der "physikalischen Komponente" eben auch eine "psychische" habe, "und da sind die Gedanken frei. Aber halt auch nur so frei, wie gelernt bzw die Gesellschaft es zulässt".

Zum Kampagnen-Radar: Heute kein Burst, keine Textbausteine, keine koordinierte Aktion. Das Bild der Woche hält bis zum Schluss: Flo und Ernst sind die beiden tragenden Stimmen, sprachlich klar unterscheidbar und durchgehend im echten Dialog über Gegenmacht-, Machtfrage- und Wehrpflicht-Thread verteilt. Ernst bleibt der breitstreuende Vielschreiber mit den längsten Beiträgen — sein langer Thailand-Exkurs zu Staatskapitalismus und kulturellen Mechanismen ist ein eigenständiger Text ohne Wiederholungsmuster, in dem er selbst zur Kernfrage zurücklenkt, als dasKAPIT4L die "Psychoanalysen" moniert. JakobB hält als dritte Stimme konstant Kontakt, JJ_Anon ist heute ruhiger. Neu hinzu kommen mit Kokosmilch und im Simanowski-Faden mit JakobBs WDR-Hinweis zwei kleinere, sachliche Stimmen ohne jede Auffälligkeit. Florentine ist in den Live-Quellen heute nicht aktiv. Keine Kampagnen-Indikatoren.

Das war's für heute — schön, dass Flo den langen Machtstreit mit dem Mamdani-Beispiel noch einmal vom Kopf auf die Füße stellt und Ernsts Werkstatt-Logik einen handfesten Gegenbeleg entgegensetzt, dass JakobB im Reemtsma-Faden über sein eigenes Bücherregal lachen kann, und dass der wochenlange Macht-Disput am Ende wirklich versöhnlich zusammenfindet. Bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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