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Cover: Die Neuen Zwanziger

Die Neuen Zwanziger

von Stefan Schulz und Wolfgang M. Schmitt

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Die Zwanziger waren erst wild, dann golden und endeten doch düster. Und nun sind sie wieder da. Solange sie dauern, veröffentlichen Wolfgang M. Schmitt und Stefan Schulz an dieser Stelle diesen Podcast. Sie schauen jeden Monat zurück auf die Ereignisse, die die Zeitläufte bestimmen, wichtig waren oder wichtig werden. In einer zweiten Folge, dem Salon, halten sie die relevante Lektüre des jeweiligen Monats im Gespräch fest.

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Olivia – Hörerbriefing

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# Briefing vom 20. Juni 2026

Hallo zusammen, hier ist Olivia mit eurem Briefing für Samstag, den 20. Juni. Der riesige Gegenmacht-Thread tritt heute spürbar in seine Schlussphase, dafür steht der Ole-Nymoen-Thread jetzt klar als eigenes Zentrum daneben — und mit Claudius ist dort sogar ein ganz frischer Kopf aufgetaucht, der Stefans Kernthese sauber zerlegt.

Zur Grundstimmung: Auf YouTube ist es ausgesprochen still, nur zwei Einzelstimmen — davejacob5208 spitzt unter der Maifolge das Organspende-Argument zu, "Schweigen als Zustimmung bei Organspende ist die aktuelle Politik dagegen, aber offenbar bei Vergewaltigung dafür?", und taucher66 feiert unter dem Precht-Video den "underground", "taylor swift hat mit kunst im eigentlichen sinne nichts zu tun, cheers dj taucher". Im Forum hat sich das Gewicht endgültig verschoben: Der Ole-Nymoen-Thread, gestern erst von thomas eröffnet, ist heute der lebendigste Strang, während der Gegenmacht-Thread mit Ernsts Antwort an Claudius und einer letzten Stefan-Zitat-Prüfung sichtbar zur Ruhe kommt. Eine echte neue Wendung gibt es dort am Ende: Ernst nimmt sich erstmals Stefans eigenes Salon-Zitat zur "dunklen Masse uns aller" vor und prüft es mit derselben Strenge wie zuvor die Mitstreiter.

Zu den Kontroversen: Die Reiberei hat den Schauplatz gewechselt — die Bildzeitung-Front ist mit Syds Auflösung gestern abgeschlossen, dafür läuft der Ole-Nymoen-Streit jetzt heiß. thomas wirft den beiden vor, sie zögen sich bei der Wehrpflicht auf "reinen Individualismus" zurück und ließen Klassenfragen fallen, und sieht sie bei Fabian Lehr "argumentativ ein wenig zerlegt". JakobB hält frontal dagegen, die Verwirrung sei "aufseiten von Fabian Lehr und der Kommunistenkneipe entstanden", und teilt ausdrücklich Ole und Simons Analyse gegen die SDAJ, die mit "Erziehungsanspruch" an junge Menschen herantrete und sie über den "Alltagsverstand" eigentlich "infantilisiere". Ernst dreht den Streit ins Strategische und arbeitet sich tief an der Frage ab, ob "der Staat" überhaupt der richtige Adressat sei — JJ_Anon widerspricht hier fein, Ole meine den Staat als "Chiffre", und man kämpfe sehr wohl "für den Staat und damit inbegriffen auch für die Machtelite", eher "wie ein Teufelspakt". Dazu kommt JJ_Anons grundsätzliche Skepsis gegen Ernsts Vokabular, "Effizienz" und "Narrativ" klängen "instrumentell", der entscheidende Faktor sei beim AfD-Beispiel "nicht die Aussaat, sondern der Boden".

Zu den positiven Highlights: Der schönste Moment ist heute der Auftritt von Claudius, der ausdrücklich seinen "ersten Beitrag in diesem Forum" verfasst und Stefans Gegenmacht-Argument mit kühler Logik auseinandernimmt — Stefan vertausche heimlich zwei Eigenschaften, reiche Leute hätten Einfluss nicht, weil sie Zivilgesellschaft seien, "Aber haben sie ihn nicht, weil sie reich sind?". Ernst nimmt das sichtlich erfreut auf, bestätigt "du hast einen Punkt" und liefert seine vielleicht klarste Einordnung des ganzen Komplexes, die Zivilgesellschaft sei "nicht ein Hebel, sondern Hunderte", und der strukturelle Vorteil des Kapitals liege darin, dass es sich Organisationen "einfach zusammenkaufen kann". Schön ist auch Ernsts versöhnlicher Abschluss mit Syd, er fühle sich "nur ein bisschen verarscht", es überwiege "die angenehme Überraschung über deinen Rock'n Roll". Und Flo bleibt die hartnäckig vermittelnde Stimme zwischen den Lagern, am pointiertesten mit seiner Formel "Gut gelaunter Klassenkampf - mit viel Gefühl und wenig Autorität", die Ernst tatsächlich aufnimmt und weiterträgt. Im Ticket-Thread ist außerdem schön zu sehen, wie volkssport, Andrew und Sesselzeitreisender ganz unaufgeregt Live-Salon-Karten weiterreichen.

Zum Kampagnen-Radar: Heute kein Burst, keine Textbausteine, keine koordinierte Aktion. Ernst bleibt der mit Abstand aktivste Account, jetzt verteilt über den Ole-Nymoen-Thread, den Gegenmacht-Thread und die Stefan-Zitat-Prüfung — durchgehend lange, eigenständig argumentierende Beiträge, kein Muster. Im Ole-Thread halten JakobB und JJ_Anon zu zweit die Gegenposition zu thomas und Ernst, sprachlich klar unterscheidbar, im offenen Austausch. Claudius ist ein frischer, sachlicher Neuzugang mit nur einem, dafür sehr durchdachten Beitrag — keinerlei Auffälligkeit. Flo bleibt die treibende, vermittelnde Stimme, aktiv über mehrere Stränge. Mikis "Überreligion des Übermenschen" läuft als einzelner Langtext aus, ohne neue Resonanz. Florentine ist in den Live-Quellen heute nicht aktiv. Auf YouTube nichts Koordiniertes, nur die beiden Einzelstimmen. Keine Kampagnen-Indikatoren.

Das war's für heute — schön, dass mit Claudius ein neuer, scharfer Kopf direkt an Stefans These ansetzt, dass der Ole-Nymoen-Streit dem auslaufenden Gegenmacht-Thread frische Energie danebenstellt, und dass Ernst zum Abschluss sogar Stefans eigenes Zitat mit derselben Sorgfalt prüft wie alles andere. Bis zum nächsten Mal.

Wir

Stefan Schulz

Stefan Schulz

schrieb für die F.A.Z. und Bücher zum Medienwandel und der Demografie. Heute ist er im »Fernsehpodcast« und hier zu hören.

Wolfgang M. Schmitt

Wolfgang M. Schmitt

ist Filmkritiker und Publizist. Bekannt für seine »Filmanalyse«, »Wohlstand für alle« und als Autor mehrerer Bücher.

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